Friedrich

I
Friedrich
 
[althochdeutsch fridu »Schutz«, »Sicherheit«, »Friede« und rihhi »mächtig«, »Herrscher«], Herrscher:
 
 Heiliges Röm. Reich:  
 1) Friedrich I. Barbarọssa (»Rotbart«; wegen seines rotblonden Bartwuchses), Römischer König (1152), Kaiser (seit 1155), als Friedrich III. Herzog von Schwaben, * Waiblingen (?) 1122, ✝ (ertrunken) im Saleph (heute Göksu) 10. 6. 1190, Sohn von 62), Enkel von Herzog Heinrich dem Schwarzen von Bayern; aus dem Geschlecht der Staufer. Friedrich wurde von seinem Onkel Konrad III. unter Hintanstellung des eigenen (sechsjährigen) Sohnes Friedrich von Rothenburg (✝ vor Rom August 1167) zum Nachfolger designiert und nach Konrads Tod (15. 2. 1152 am 5. 3. 1152 in Frankfurt am Main einstimmig zum König erhoben sowie am 9. 3. in Aachen gekrönt. Von seiner Herrschaft erhofften sich die Fürsten die Beilegung des seit der Wahl Lothars III. von Supplinburg bestehenden Gegensatzes zwischen Welfen und Staufern. Gestützt auf seine sichere Hausmacht (Reichsgut), legte Friedrich 1152 (Würzburger Reichstag) den Konflikt mit Herzog Heinrich dem Löwen von Sachsen sowie Markgraf Albrecht dem Bär von Brandenburg bei. Im Juni 1154 (Fürstentag in Goslar) übertrug er Heinrich auch das Herzogtum Bayern, auf das die Babenberger 1156 gegen die Erhebung der Markgrafschaft Österreich zum Herzogtum verzichteten (Privilegium minus). Friedrichs Ziel, die Größe des römischen Kaisertums wieder herzustellen, schloss die Beherrschung Italiens ein. Im Konstanzer Vertrag verständigte er sich am 23. 3. 1153 mit Papst Eugen III. über eine gemeinsame Politik in Italien, v. a. gegenüber Byzanz und dem unteritalienischen Normannenreich. Der erste Italienzug Friedrichs (1154) führte zur Kaiserkrönung durch Papst Hadrian IV. am 18. 6. 1155, machte aber auch die Konflikte mit den lombardischen Städten und dem Papsttum deutlich. Letztere verschärften sich im Oktober 1157, als Friedrich sich auf dem Reichstag von Besançon weigerte, das Kaisertum als päpstliches Lehen (»beneficium«) anzuerkennen. Im Ronkalischen Reichstag (11. 11. 1158) ließ Friedrich die Reichsherrschaft in Italien neu ordnen; das 1159 mit der Wahl der Päpste Alexander III. und Victor IV. ausgebrochene Schisma verlangte nach einer ordnenden Macht. Zunächst hatte Friedrich Erfolg. Mailand wurde erobert (September 1158) und nach erneutem Widerstand ab 1161 belagert, im März 1162 eingenommen und völlig zerstört; 1166/67 konnte Friedrich ganz Norditalien und Rom erobern; jedoch forderte die nach dem 2. 8. 1167 plötzlich ausbrechende Malaria große Verluste (u. a. Rainald von Dassel) und zwang Friedrich zum überstürzten Rückzug. Daraufhin lebte der Widerstand in Norditalien, organisiert im Lombardenbund, verstärkt auf. Vor einem neuen Aufbruch nach Italien (1174) war Friedrich bemüht, die Königsmacht in Deutschland durch Städtegründungen und den Ausbau der staufischen Hausmacht zu festigen, wobei er sich in der Reichsverwaltung v. a. auf den jungen Stand der Reichsministerialen stützte. Wieder in Italien, errang Friedrich militärische Erfolge gegen die Lombarden; als jedoch sein Vetter Heinrich der Löwe aus persönlichen Motiven seine Hilfe verweigerte, unterlag das kaiserliche Ritterheer dem Fußvolk Mailands und lombardischen Rittern in der Schlacht bei Legnano (29. 5. 1176). Obwohl nicht entscheidend geschlagen, war Friedrich zu Verhandlungen bereit, die am 24. 7. 1177 zum Sonderfrieden mit Papst Alexander III. in Venedig führten. Erst am 25. 6. 1183 war auch eine Einigung mit dem Lombardenbund im Frieden von Konstanz möglich.
 
In zweiter Ehe (seit 9. 6. 1156) mit Beatrix von Burgund verheiratet, ließ Friedrich sich am 30. 7. 1178 in Arles zum König von Burgund krönen. Heinrich den Löwen, der allzu mächtig geworden war, enthob Friedrich nach zwei Prozessen (1178-81) seiner Lehen und dehnte durch zielstrebige Hausmachtpolitik den süddeutschen Stauferbesitz vom Elsass bis ins Egerland aus. Während des auf dem Reichstag in Mainz (»Hoftag Jesu Christi«, 27. 3. 1188) gelobten und 1189 begonnenen (3.) Kreuzzuges ertrank Friedrich beim Baden im Saleph. - Friedrich galt schon den Zeitgenossen als Verkörperung ritterlicher Ideale (u. a. Mainzer Pfingstfest 1184) und als Erneuerer des Reichs (v. a. Begründung der staufischen Reichsidee unter Bezug auf römisches Recht und die imperiale Tradition Karls des Großen [Bezeichnung »Sacrum imperium«; Heiligsprechung Weihnachten 1165]); heutige Forschung stellt heraus, dass Friedrichs Politik weniger erfolgreich war, als sie im Mythos verklärt ist. Die Unterwerfung der lombardischen Städte und die Wiederaufrichtung der kaiserlichen Macht in Italien konnte er nicht durchsetzen; ebenso wenig vermochte Friedrich den Dualismus zwischen Welfen und Staufern zu überwinden.
 
Friedrich war einer der volkstümlichsten Kaiser des deutschen Mittelalters. Die Chronisten Otto von Freising (»Gesta Friderici«) und Gottfried von Viterbo (»Gesta Friderici I«) kennzeichnen ihn als vorbildlichen Vertreter ritterlicher Gesinnung und als Reichserneuerer. Huldigungen erfuhr der Kaiser durch den Archipoeta und im »Ludus de Antichristo«. Die ursprünglich um Kaiser Friedrich II. entstandene Sage vom bergentrückten Kaiser (Kyffhäusersage) wurde erstmals im »Volksbuch von Friedrich Barbarossa« (1519) auf Friedrich übertragen. F. Rückerts Gedicht »Kaiser Friedrich im Kyffhäuser« (1817) gab den Anstoß für viele Barbarossa-Dichtungen des 19. Jahrhunderts, die mit der Erneuerung der Reichsidee in Verbindung zu bringen sind.
 
 
 
P. Rassow: Honor imperii (21961, Nachdr. 1974);
 H. Appelt: Die Kaiseridee F. Barbarossas (Wien 1967);
 
F. Barbarossa, hg. v. G. Wolf (1975);
 H. Hiller: F. Barbarossa u. seine Zeit (1977);
 Otto von Freising u. Rahewin: Die Taten F.s oder richtiger Cronica, hg. v. F. J. Schmale (a. d. Latein., 31986);
 
F. Barbarossa, hg. v. A. Haverkamp (1992);
 
Kaiser F. Barbarossa, hg. v. E. Engel u. B. Töpfer (1994);
 F. Opll: F. Barbarossa (21994).
 
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staufisches Kaisertum gegen universales Papsttum: Herren der ganzen Christenheit?
 
 
 2) Friedrich II., italienisch Federico Secọndo, Römischer König (1196), Kaiser (seit 1220), * Jesi 26. 12. 1194, ✝ Fiorentino (bei Lucera) 13. 12. 1250; Sohn Kaiser Heinrichs VI., Enkel von 1) und Rogers II. von Sizilien; wurde auf Drängen seines Vaters bereits im Dezember 1196 zum Römischen König gewählt, nach dessen Tod (1197) jedoch nicht als Thronfolger anerkannt. Seine Mutter Konstanze ließ ihn kurz vor ihrem Tod (27. 9. 1198) im Mai 1198 zum König von Sizilien (als Friedrich I.) krönen und stellte Friedrich Roger (Taufname) unter die Vormundschaft von Papst Innozenz III. (bis 1208). Dieser betrieb, bedrängt durch die Absicht Kaiser Ottos IV., die kaiserliche Gewalt in Süditalien wieder aufleben zu lassen, Friedrichs Wahl zum Gegenkönig in Deutschland (Nürnberg, September 1211; wiederholt Frankfurt am Main, 5. 12. 1212). Bei Friedrichs Erscheinen in Süddeutschland (September 1212; Konstanz) traten die dortigen Fürsten auf seine Seite. In der Schlacht von Bouvines (27. 7. 1214) entschied der französische König Philipp II. Augustus mit seinem Sieg über die Engländer und den mit ihnen verbündeten Otto IV. den römisch-deutschen Thronstreit. In Aachen wurde Friedrich am 23. 7. 1215 zum zweiten Mal (erstmals Mainz, 9. 12. 1212), nun im Verständnis der Zeit am »richtigen Ort«, zum König gekrönt.
 
Für die päpstliche Hilfe musste Friedrich weite Teile Mittelitaliens dem Kirchenstaat abtreten, auf die »Mathildischen Güter« in Tuszien (Toskana, 1213) sowie auf die Beeinflussung der Bischofswahlen sowie Spolien- und Regalienrechte in der Kirche verzichten (Egerer Goldbulle, 12. 7. 1213); auch sollte er das Königreich Sizilien seinem Sohn Heinrich - dort im März 1212 gekrönt - überlassen (Verbot der »Unio regni ad imperium«). Doch ließ er diesen nach Deutschland kommen und im April 1220 in Frankfurt am Main zum König wählen, um selbst nach Italien zurückzukehren und zum Kaiser gekrönt zu werden (Rom 22. 11. 1220). Friedrich kam später nur noch 1235/36 und kurz 1237 nach Deutschland, als Heinrich (VII.) sich gegen ihn empörte. Er setzte ihn ab (Worms 4. 7. 1235) und ließ im Februar 1237 in Wien den jüngeren Sohn als Konrad IV. wählen.
 
Mit der »Goldenen (Sizilianischen) Bulle« (26. 9. 1212) und dem Privileg der Primogenitur (1216) sicherte Friedrich das Königtum in Böhmen-Mähren. Am 26. 4. 1220 ordnete Friedrich mit der »Confoederatio cum principibus ecclesiasticis« (»Bündnis mit den geistlichen Fürsten«) und im Mai 1232 mit dem »Statutum in favorem principum« (»Bestimmung zugunsten der Fürsten«; Bestätigung der Erlasse von Heinrich [VII.] vom 1. 5. 1231) das Verhältnis zwischen Königtum, Städten sowie Fürsten und festigte mit diesen »Fürstengesetzen« die entstehenden Territorien (Verzicht auf königliche Hoheitsrechte; Ausbau der Landesherrschaft). Die Straffung der Reichsgewalt in Deutschland gelang ansatzweise (Mainzer Reichslandfrieden, 15. 8. 1235), die Aussöhnung mit den Welfen vollends (Mainzer Hoftag, August 1235; Herzogtum Braunschweig-Lüneburg). Schon 1224 hatte Friedrich als generelle Strafe für Ketzerei den Feuertod auf dem Scheiterhaufen eingeführt (Inquisition). In seinem sizilianischen Erbreich dagegen schuf Friedrich, von den Assisen (Hoftagsbeschlüssen) von Capua (1220) und den »Konstitutionen von Melfi« (1231) ausgehend, einen straff zentralisierten, finanzkräftigen Beamtenstaat ohne feudale Zwischengewalten.
 
Der Versuch der Wiederherstellung der Kaisergewalt in Oberitalien scheiterte und ließ den latenten Konflikt mit dem Papsttum offen ausbrechen. Äußerer Anlass war der von Friedrich bei seiner Aachener Königskrönung gelobte und seither mehrfach verschobene Kreuzzug. Trotz des deswegen im September 1227 vorgenommenen Kirchenbannes durch Papst Gregor IX. (1231 wieder gelöst) unternahm Friedrich 1228/29 den (fünften) Kreuzzug und erlangte durch einen Vertrag (18. 2. 1229) mit Sultan Al-Kamil in Kairo die Überlassung der heiligen Stätten kampflos (17. 3.); in Jerusalem krönte sich Friedrich selbst zum König des Königreichs Jerusalem (18. 3. 1229). Unter Einfluss seines Vertrauten, des Hochmeisters des Deutschen Ordens Hermann von Salza, dem Friedrich in der »Goldbulle von Rimini« (März 1226) alles Land der heidnischen Prußen als Ordensstaat garantiert hatte, vermittelten die Reichsfürsten nach seiner Heimkehr im Frieden von San Germano den Ausgleich zwischen Papst Gregor IX. und Friedrich (Juli 1230). Das Vorgehen Friedrichs gegen den Lombardenbund, besonders nach dem Sieg von Cortenuova (27. 11. 1237), als er die bedingungslose Unterwerfung von Mailand und der Lombardei forderte, ließ den Papst mit einem erneuten Bann (März 1239) den Kampf wieder aufnehmen. In der Folge brachte Friedrich weite Teile Italiens unter seine Herrschaft. Als Gregor IX. starb (1241), nahm der Nachfolger Innozenz IV. Friedensverhandlungen auf, die aber bald scheiterten. Auch die Absetzung Friedrichs durch Innozenz auf dem Konzil von Lyon (17. 7. 1245) entschied den Kampf nicht. Trotz der Wahl von Gegenkönigen (Heinrich Raspe, 1246; Wilhelm von Holland, 1247), trotz der Rückschläge (Gefangennahme seines Sohnes Enzio, 1249; wachsende Opposition v. a. in Deutschland) und Enttäuschungen (Petrus de Vinea, Giftmordanschlag seines Leibarztes) behauptete sich Friedrich, an seinem imperialen Sendungsauftrag festhaltend. Mit seinem Tod scheiterte die mittelalterliche Reichsidee endgültig.
 
Friedrich galt schon zu seinen Lebzeiten als überragende Persönlichkeit (»stupor mundi« [»der die Welt in Erstaunen versetzt«]). Sein Interesse für Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie ließ ihn mit arabischen Gelehrten in Verbindung treten; sein Hof (Palermo, später auch Foggia) war Mittelpunkt der Sizilianischen Dichterschule. Sein Buch über die Falkenjagd (»De arte venandi cum avibus«, um 1246; Prachthandschrift in der Vatikanischen Bibliothek) gilt als frühes Meisterwerk beobachtender Naturwissenschaft. Nach seinem Tod von seinen Anhängern als Retter der Welt erwartet, der im Berg Ätna seiner Wiederkehr harrt, von seinen Gegnern als Antichrist gefürchtet, der am Ende der Zeiten erscheinen wird, wurde Friedrich in Deutschland Gestalt der Kaisersage (Kyffhäusersage), die im 16. Jahrhundert auf Friedrich I. Barbarossa übertragen wurde. - Grabmal im Dom von Palermo.
 
 
Ausgaben: De arte venandi cum avibus, herausgegeben von C. A. Willemsen, 2 Bände (Neuausgabe 1951); Das Falkenbuch Kaiser Friedrichs II., herausgegeben von demselben (71991).
 
 
Polit. Propaganda Kaiser F.s II. u. seiner Gegner, hg. v. H. M. Schaller (1965);
 
Stupor mundi, hg. v. G. Wolf (21982);
 G. Masson: Das Staunen der Welt (a. d. Engl., 121989);
 W. Stürner: F. II., auf 2 Bde. ber. (1992 ff.);
 
Kaiser F. II. Sein Leben in zeitgenöss. Berichten, hg. v. K. J. Heinisch (Neuausg. 41994);
 D. Abulafia: F. II. von Hohenstaufen. Herrscher zw. den Kulturen (a. d. Engl., Neuausg. 1994);
 E. H. Kantorowicz: Kaiser F. der Zweite, 2 Bde. (Neuausg. 4-71994);
 E. S. u. G. Rösch: Kaiser F. II. u. sein Königreich Sizilien (1995).
 
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staufisches Kaisertum gegen universales Papsttum: Herren der ganzen Christenheit?
 
Papsttum: Höhepunkt und Fall der päpstlichen Macht im Mittelalter
 
Kreuzzüge: Mit Feuer und Schwert gegen die Heiden
 
 
 3) Friedrich der Schöne, als Friedrich III. Herzog von Österreich und Steiermark, König (seit 1314), * 1289, ✝ Burg Gutenstein 13. 1. 1330, Sohn König Albrechts I.; suchte 1308 nach der Ermordung seines Vaters vergebens, die Römische Königswürde zu erlangen. Erst nach dem Tod Kaiser Heinrichs VII. wählten ihn vier Fürsten am 19. 10. 1314 zum König, eine andere Partei entschied sich am nächsten Tag für seinen Vetter Ludwig (IV.), den Bayern. Unterstützt von seinem Bruder Leopold, suchte Friedrich in einem achtjährigen Kampf sein Königtum durchzusetzen. Er wurde am 28. 9. 1322 bei Mühldorf am Inn geschlagen und von Ludwig gefangen gesetzt. Im Vertrag von München (5. 9. 1325 willigte Friedrich in die Gemeinschaftlichkeit des Königtums ein.
 
 4) Friedrich III., Römischer König (1440), Kaiser (seit 1452), als Friedrich V. Herzog von Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain; seit 1424), * Innsbruck 21. 9. 1415, ✝ Linz 19. 8. 1493, Sohn Herzog Ernsts des Eisernen von (Inner-)Österreich, Vetter König Albrechts II.; Vormund für Ladislaus V. Postumus, wurde am 2. 2. 1440 in Frankfurt am Main zum König gewählt (Krönung in Aachen am 17. 6. 1442) und am 19. 3. 1452 als letzter Kaiser in Rom gekrönt; er residierte 1440-84 in Graz. Friedrich galt als ausgezeichneter Finanzmann und Verwaltungspraktiker und behauptete sich gegen Versuche, ihn abzusetzen oder einen Gegenkönig zu wählen. Die Ansätze zu einer Reichsreform, begonnen unter Kaiser Siegmund, führte er entgegen der Forderungen der Fürsten nicht fort. Trotz eines weitgehenden Rückzugs aus der Reichspolitik (seit 1445 blieb er allen Reichstagen fern) und der Hinwendung zu den Erblanden (u. a. Kämpfe mit seinem Bruder Herzog Albrecht VI. von Österreich, 1457-63) konnte Friedrich eine Schwächung des habsburgischen Hausmachtbesitzes nicht verhindern. Er verlor Böhmen 1458 an Georg von Podiebrad und Kunštát und Ungarn an König Matthias I. Corvinus, der 1485-90 sogar Wien besetzte. Der Versuch der Wiedererlangung des habsburgischen Besitzes in der heutigen Schweiz (Toggenburger Erbschaftskrieg, bis 1444/50) gelang nur teilweise und um den Preis einer Söldnerplage im Elsass (Armagnac). Das 1448 mit Papst Nikolaus V. abgeschlossene Wiener Konkordat blieb bis 1806 gültig. Mit der Verheiratung seines Sohnes Maximilian (I.) mit der Tochter Karls des Kühnen, Maria (1477), gewann Friedrich orientiert am Ziel eines mächtigen Habsburgerreiches (Devise A. E. I. O. U.; seit 1437) - Burgund für Habsburg (Anfall 1482). - Grabmal im Stephansdom, Wien.
 
 
 
B. Rill: F. III. (Graz 1987);
 
Kaiser F. III. (1440-1493) in seiner Zeit, hg. v. P.-J. Heinig (1993);
 K. F. Krieger: Die Habsburger im MA. Von Rudolf I. bis F. III.(1994):
 
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Habsburgs Aufstieg (bis 1556): Du, glückliches Österreich, heirate
 
Dt. Reich:  
 5) Friedrich, als Kronprinz Friedrich Wịlhelm genannt, Kaiser (seit 9. 3. 1888) und König von Preußen (als Friedrich III., seit 9. 3. 1888), * Potsdam 18. 10. 1831, ✝ ebenda 15. 6. 1888; Sohn Wilhelms I., Vater Wilhelms II.; Ȋ 1858 in London mit der britischen Prinzessin Viktoria (»Kaiserin Friedrich«), die starken Einfluss auf seine liberale Einstellung hatte. Im Deutschen Krieg 1866 hatte er wesentlichen Anteil am Sieg von Königgrätz, im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 am Sieg von Sedan und der Einschließung von Paris. In der Frage der Reichsgründung 1870/71 wollte Friedrich widerstrebende deutsche Fürsten notfalls mit Gewalt in ein unitarisches Reich zwingen. Dieses ausgeprägte monarch. Bewusstsein stand in Widerspruch zu seinen liberalen Neigungen, die ihn mehrfach in starken Gegensatz zur Politik O. von Bismarcks brachten. Der Regierungszeit Friedrichs galten die Hoffnungen des liberalen und freisinnigen Bürgertums, doch starb Friedrich nach nur 99 Tagen Regierung (»Neunundneunzig-Tage-Kaiser«) an Kehlkopfkrebs.
 
 
M. Freund: Das Drama der 99 Tage (1966);
 F. Herre: Kaiser F. III. (1987);
 K. Wagner: 1888, das Drei-Kaiser-Jahr (1988);
 
Kaiser F. III., bearb. v. I. Gundermann, Ausst.-Kat. des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz (1988).
 
 Baden:  
 6) Friedrich I., Markgraf, * 1249, ✝ (hingerichtet) Neapel 29. 10. 1268; erbte von seiner Mutter, einer Nichte des letzten Babenbergers, den Anspruch auf das Herzogtum Österreich, konnte diesen aber gegen König Ottokar II. Přemysl von Böhmen nicht behaupten (seit 1251). Er begleitete den letzten Staufer, Konradin, 1267 nach Italien und wurde nach der Niederlage bei Tagliacozzo (Provinz L'Aquila; 23. 8.) mit ihm in Neapel hingerichtet.
 
 7) Friedrich I., Großherzog (seit 1856), * Karlsruhe 9. 9. 1826, ✝ Insel Mainau 28. 9. 1907; übernahm 1852 für seinen kranken Bruder Ludwig die Regentschaft. Friedrich verfolgte eine ausgesprochen liberale Politik, die die einzig dauerhafte Verbindung zwischen Monarchie und Liberalismus in Deutschland darstellte. Unter dem Einfluss von Friedrich von Roggenbach und durch seine verwandschaftlichen Beziehungen zum preußischen Königshaus (seit 1856 Schwiegersohn von Wilhelm I.) bestimmt, trat Friedrich energisch für die nationale Einigung unter preußischer Führung ein. Unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung musste er sich 1866 auf die österreichische Seite stellen, schloss jedoch sofort nach der Niederlage ein Bündnis mit Preußen und setzte sich 1870/71 für die Reichsgründung ein.
 
Ausgabe: Großherzog Friedrich I. v. Baden und die Reichspolitik 1871-1907, herausgegeben von W. P. Fuchs, 4 Bände (1968-80).
 
 
A. Dove: Großherzog F. v. Baden. Als Landesherr u. dt. Fürst (1902).
 
 8) Friedrich II., Großherzog (seit 1907), * Karlsruhe 9. 7. 1857, ✝ Badenweiler 9. 8. 1928; verfolgte zunächst die militärische Laufbahn (u. a. 1897-1902 kommandierender General des 8. Armeekorps in Koblenz); dankte am 22. 11. 1918 ab.
 
 Bamberg und Würzburg:  
 9) Friedrich Kạrl, Graf von Schönborn, Fürstbischof (seit 1729), * Mainz 3. 3. 1674, ✝ Würzburg 27. 7. 1746; war 1705-34 Reichsvizekanzler. Als Fürstbischof von Bamberg und Würzburg trat er den preußischen Bestrebungen, in Süddeutschland Fuß zu fassen, entgegen. Er reorganisierte neben der Verwaltung das Finanz- und Bildungswesen und ließ zahlreiche Kirchen errichten. Unter der Leitung von B. Neumann wurde während seiner Amtszeit die Würzburger Residenz im Rohbau abgeschlossen.
 
 
H. Hantsch: Reichsvizekanzler F. Karl Graf von Schönborn (1929).
 
 10) Friedrich I., als Friedrich VI. Burggraf von Nürnberg (seit 1397), Kurfürst (seit 1417), * 1371, ✝ Cadolzburg 20. 9. 1440, Vater von 11); seit 1409 im Dienst König Siegmunds von Ungarn. Er unterstützte dessen Bewerbung um die Römische Königskrone und erhielt dafür zum Dank 1411 die Regentschaft in der Mark Brandenburg (am 30. 4. 1415 als erblicher Besitz); am 18. 8. 1417 wurde er auf dem Konzil von Konstanz feierlich mit der Mark und dem Erzkämmereramt belehnt. Damit wurde Friedrich zum Stammvater der brandenburgischen Hohenzollern. Als Führer eines Reichsheeres kämpfte Friedrich 1422 und wiederum 1427-31 gegen die Hussiten; 1423 bemühte er sich vergeblich um die Belehnung mit dem Kurfürstentum Sachsen. Im Januar 1426 trat Friedrich die Regentschaft an seinen Sohn Johann (der Alchimist; * 1406, ✝ 1464) ab und ging nach Franken; 1437 teilte er seine Herrschaften.
 
 11) Friedrich II., der Eiserne, Kurfürst (1440-70), * Tangermünde 19. 11. 1413, ✝ Burg Plassenburg (bei Kulmbach) 10. 2. 1471, Sohn von 10); erhielt in der Erbteilung von 1437 die bislang von seinem älteren Bruder Johann (dem Alchimisten; * 1406, ✝ 1464) verwaltete Kurmark und wurde nach dem Tod des Vaters 1440 Kurfürst. Im Inneren setzte er die landesfürstliche Gewalt gegenüber Adel und Städten unnachgiebig durch (1442 und 1448 Unterwerfung von Berlin und Cölln) und stärkte die Landeshoheit durch die Neuordnung des Steuerwesens und die Errichtung des Kammergerichts. Nach außen sicherte er in Verträgen mit den Landesherren der angrenzenden Länder seine Herrschaft. 1455 kaufte er die Neumark vom Deutschen Orden zurück. 1470 überließ er seinem Bruder Albrecht III. Achilles die Regierung in der Mark.
 
 12) Friedrich Wịlhelm, genannt der Große Kurfürst, Kurfürst von Brandenburg (seit 1640), * Berlin 16. 2. 1620, ✝ Potsdam 9. 5. 1688, Vater von 42); Sohn von Kurfürst Georg Wilhelm und Elisabeth Charlotte von der Pfalz (* 1597, ✝ 1660). Als erster Hohenzoller wurde er kalvinistisch erzogen und durch den Aufenthalt (1634-37) bei Prinz Friedrich Heinrich von Oranien, dessen Tochter Luise Henriette er 1646 heiratete, in seinen religiösen Auffassungen (Neustoizismus) bestärkt. Friedrich Wilhelm suchte Brandenburg zu einem kalvinistischen Modellstaat zu machen; Frankreichs Kultur und Politik waren ihm dabei vorbildlich in den Idealen der Souveränität, Staatsräson, absolutistischen Staatseinheit und eines durch See- und Kolonialpolitik gestützten Merkantilismus. Er übernahm anstelle der gedemütigten Pfalz die kalvinistische Opposition gegen Habsburg und das Kaisertum sowie die Verteidigung der reichsfürstlichen »Libertät«. Er erzielte mit rücksichtsloser Schaukelpolitik 1648 große Gewinne (Cammin, Minden, Halberstadt, Anwartschaft auf Magdeburg), erreichte im Frieden von Oliva (3. 5. 1660 die Souveränität seines Herzogtums Preußen und erwarb auch koloniale Stützpunkte in Afrika (Groß-Friedrichsburg). Obwohl nun der mächtigste deutsche Fürst nach dem Kaiser, konnte Friedrich Wilhelm nicht das im Westfälischen Frieden (1648) an Schweden gefallene Stettin und Vorpommern erwerben. 1674 nahm er am Reichskrieg gegen Frankreich teil, musste aber 1675 aus dem Elsass zurückkehren und schlug die in Brandenburg eingefallenen Schweden entscheidend bei Fehrbellin (28. 6. 1675. Da die Separatfriedensverträge seiner Verbündeten mit Frankreich ihn 1679 zwangen, das schon eroberte Vorpommern herauszugeben, wandte er sich wieder Ludwig XIV. zu und blieb bei der französischen Reunionspolitik neutral. Erst aus der Erkenntnis, dass Schweden von Frankreich gestützt wurde, und aus der schon 1672 gegenüber den Niederlanden bewährten kalvinistischen Solidarität vollzog Friedrich Wilhelm 1686 die Wendung vom französischen zum habsburgischen Bündnis, das die brandenburgisch-preußische Außenpolitik bis 1740 bestimmte. Durch das Edikt von Potsdam (1685) nahm er die aus Frankreich vertriebenen kalvinistischen Hugenotten in Brandenburg auf. Das durch Friedrich Wilhelm aufgebaute ausgezeichnete Heer, finanziert durch Subsidien und Steuern, war das Instrument seiner Außenpolitik (ab 1670 geleitet von P. Freiherr von Fuchs) wie seines Absolutismus; in seinen 1618-48 völlig verwüsteten Ländern baute er eine einheitliche Kriegs-, Steuer- und Domänenverwaltung auf. Friedrich Wilhelm bewog dabei den Adel gegen soziale Konzessionen zur Aufgabe seiner Steuerhoheit, unterstellte sich die merkantilistisch geförderten Städte und bildete aus beiden Ständen ein neues Offizierkorps und Beamtentum, das die Einheit des hohenzollernschen Gesamtbesitzes über die Belange der einzelnen Landesteile zwischen Maas und Memel stellte. Friedrich Wilhelms Politik legte den Grundstein für den späteren Aufstieg Brandenburg-Preußens.
 
 
 
E. Opgenoorth: F. Wilhelm, der Große Kurfürst v. Brandenburg, 2 Bde. (1971-78);
 G. Oestreich: F. Wilhelm, der Große Kurfürst (1972);
 L. Hüttl: F. Wilhelm v. Brandenburg (1981).
 
 13) Friedrich III., Kurfürst, Friedrich 42).
 
 Braunschweig-Lüneburg-Oels:  
 14) Friedrich Wịlhelm, genannt der Schwarze Herzog, Herzog (seit 1806, wiederum seit 1813), * Braunschweig 9. 10. 1771, ✝ (gefallen) Quatre-Bras (heute zu Genappe, Provinz Brabant) 16. 6. 1815; schlug die militärische Laufbahn ein, kämpfte seit 1806 unter G. L. von Blücher, erbte 1805 das Fürstentum Oels und 1806 das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, das er in der napoleonischen Territorialregelung wieder verlor. Daraufhin gründete er 1809 ein Freikorps (Beiname nach dessen schwarzen Tschakos), mit dem er sich gegen Napoleon I. stellte. 1809-13 im Exil in Großbritannien (sein Freikorps kämpfte als deutsch-britische Legion 1810-14 in Spanien), unterstützte er nach der Rückkehr erneut den Kampf gegen Napoleon und hatte entscheidenden Anteil an A. Wellingtons Erfolg bei Quatre-Bras (16. 6. 1815.
 
 Dänemark:  
 15) Friedrich I., dänisch Frederik I. ['frɛȓərɛg], König von Dänemark (seit 1523) und Norwegen (seit 1524), Herzog von Schleswig und Holstein, * 7. 10. 1471, ✝ Schloss Gottorf 10. 4. 1533; musste 1490 einer Herrschaftsteilung in den Herzogtümern mit seinem Bruder, König Johann von Dänemark und Norwegen, zustimmen; wurde nach dem Sturz König Christians II. 1523 in Kopenhagen zum König gewählt. Den Ständen Holsteins, Schleswigs und Stormarns gewährte er 1524 das »Große Privileg« in der Tradition des Ripener Freiheitsbriefes von 1460. Friedrich führte die lutherische Reformation in Dänemark ein (seit 1536 Staatsreligion) und trat 1532 dem Schmalkaldischen Bund bei.
 
 16) Friedrich II., dänisch Frederik II. ['frɛȓərɛg], König von Dänemark und Norwegen (seit 1559), Herzog von Schleswig und Holstein, * Haderslevhus (bei Hadersleben) 1. 7. 1534, ✝ Antvorskov (bei Slagelse) 4. 4. 1588; folgte seinem Vater Christian III. auf den Thron, eroberte 1559 Dithmarschen und verschaffte seinem Bruder Magnus von Holstein (* 1540, ✝ 1583) die Herrschaft über Ösel und einen Teil Kurlands. Im Dreikronenkrieg (1563-70) gegen Schweden konnte er die Vorherrschaft im Ostseeraum nicht erreichen. Durch eine Neuordnung des Sundzolls gelang es ihm, die Staatsfinanzen Dänemarks zu verbessern. Friedrich förderte die Wissenschaften (u. a. T. Brahe).
 
 17) Friedrich III., dänisch Frederik III. ['frɛȓərɛg], König von Dänemark und Norwegen (seit 1648), Herzog von Schleswig und Holstein, * Haderslevhus (bei Hadersleben) 18. 3. 1609, ✝ Kopenhagen 9. 2. 1670, Sohn König Christians IV., Enkel von 16). Im Dreißigjährigen Krieg wurde er 1623 Bischof von Verden und 1634 Erzbischof von Bremen. Als König führte er 1657/58 und 1658-1660 Krieg gegen Schweden (1. Nordischer Krieg) und musste Gebietsverluste hinnehmen (Frieden von Roskilde 1658, Frieden von Kopenhagen 1660). Innenpolitische Auseinandersetzungen führten 1660 zur Einführung der Erbmonarchie in Dänemark. Die absolute Königsgewalt wurde in der Lex Regia von 1665 festgeschrieben.
 
 18) Friedrich IV., dänisch Frederik IV. ['frɛȓərɛg], König von Dänemark und Norwegen (seit 1699), Herzog von Schleswig und Holstein, * Kopenhagen 11. 10. 1671, ✝ Odense 12. 10. 1730, Sohn König Christians V., Enkel von 17); begann 1700 mit Polen und Russland den 2. Nordischen Krieg gegen Karl XII. von Schweden und musste am 8. 8. 1700 den Frieden von Traventhal schließen. Nach der Niederlage Karls XII. bei Poltawa (1709) begann Friedrich den Kampf von neuem und erreichte im Frieden von Frederiksborg (1720), dass der gottorp. Teil Schleswigs mit dem königlich dänischen Anteil vereinigt wurde. Zu Friedrichs inneren Reformen gehörte v. a. die Abschaffung der Leibeigenschaft in Dänemark (1702).
 
 19) Friedrich VI., dänisch Frederik VI. ['frɛȓərɛg], König von Dänemark (seit 1808) und Norwegen (1808-14), * Kopenhagen 28. 1. 1768, ✝ ebenda 3. 12. 1839; stürzte 1784 mithilfe von A. P. Graf von Bernstorff die von O. H. Guldberg geführte Vormundschaftsregierung seines geisteskranken Vaters Christian VII. und übernahm die Regentschaft. Unter Mitwirkung Bernstorffs führte er soziale Reformen (1788 Aufhebung des Heimatzwangs der dänischen Bauern, 1804 Aufhebung der Leibeigenschaft in Schleswig und Holstein) und wirtschaftliche Maßnahmen (Kultivierung der Heide) durch. Nach zweimaligen britischen Angriffen auf Kopenhagen (1801 und 1807) gab er die bis dahin verfolgte Neutralitätspolitik auf und schloss ein Bündnis mit Napoleon I., das 1814 im Frieden von Kiel ursächlich für den Verlust Norwegens und Helgolands war. 1815 gewann Friedrich das Herzogtum Lauenburg. Nach langem Zögern bewilligte er 1834 die Einführung beratender Provinzialstände.
 
 20) Friedrich VII., dänisch Frederik VII. ['frɛȓərɛg], König (seit 1848), Herzog von Schleswig, Holstein und Lauenburg, * Kopenhagen 6. 10. 1808, ✝ Glücksburg 15. 11. 1863; verkündete am 24. 3. 1848 die Eingliederung Schleswigs und löste mit diesen »eiderdänischen Plänen« den Deutsch-Dänischen Krieg von 1848-50 aus. Mit dem Erlass der von liberalen Grundsätzen geprägten Verfassung von 1849 führte er Dänemark in eine konstitutionelle Monarchie über.
 
 21) Friedrich IX., dänisch Frederik IX. ['frɛȓərɛg], König (seit 1947), * Schloss Sorgenfri (bei Lyngby) 11. 3. 1899, ✝ Kopenhagen 14. 1. 1972; folgte seinem Vater Christian X. am 20. 4. 1947 auf den Thron. Mit ihm starb das Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg im Mannesstamm aus.
 
 Hessen-Homburg:  
 22) Friedrich II., bekannt als Prinz von Họmburg, Landgraf (seit 1680), * Homburg (heute Bad Homburg von der Höhe) 30. 3. 1633, ✝ ebenda 24. 1. 1708; trat 1654 in das schwedische Heer ein und nahm als Oberst unter Karl X. Gustav an den Feldzügen (1656-59) in Polen und Dänemark teil. 1670 heiratete er in zweiter Ehe (nach Übertritt zum Kalvinismus) eine Nichte Friedrich Wilhelms, dem Grossen Kurfürsten, und trat als General der Kavallerie in das kurbrandenburgische Heer ein. Am Sieg von Fehrbellin (28. 6. 1675 hatte er wesentlichen Anteil. Nach seinem Abschied vom Militär (1678) widmete er sich mit großem Erfolg der Entwicklung seines Landes und siedelte u. a. Hugenotten und Waldenser an. - H. von Kleists Schauspiel »Prinz Friedrich von Homburg« (1811, gedruckt 1821) hat mit der Persönlichkeit des geschichtlichen Friedrichs wenig mehr als den Namen und die Zeitumstände gemein.
 
 Hessen-Kassel:  
 23) Friedrich I., Landgraf, Friedrich 64).
 
 24) Friedrich II., Landgraf (seit 1760), * Kassel 14. 8. 1720, ✝ Schloss Weißenstein (später Wilhelmshöhe, heute zu Kassel) 31. 10. 1785; beteiligte sich nach seinem militärischen Engagement für Kaiser Karl VII. sowie in britischen Diensten in den Niederlanden und in Schottland (1744-48) in preußischen Diensten am Siebenjährigen Krieg (1756-63). Sein Übertritt zum Katholizismus (1749) wurde 1754 durch die von seinem streng kalvinistischen Vater Wilhelm VIII. (1751-60) veranlasste »Assekurationsakte« auf seine Person beschränkt. Bemüht, die Folgen des Siebenjährigen Krieges zu überwinden, entfaltete er eine rege Bautätigkeit. Kassel verdankt ihm u. a. die Bibliothek, die Kunstakademie und das Collegium Carolinum, die Friedrich, wie auch das Museum Fridericianum, mit britischen Subsidien aus der Kriegszeit finanzierte. Aufgrund des Subsidienvertrags von 1776 mit Großbritannien wurden bis 1784 insgesamt 12 000 hessische Soldaten auf den nordamerikanischen Kriegsschauplatz entsandt.
 
 
E. Kipping: Die Truppen v. Hessen-Kassel im amerikan. Unabhängigkeitskrieg 1776-83 (1965).
 
 25) Friedrich Wịlhelm, Kurfürst von Hessen (1847-66), * Philippsruhe (heute zu Hanau) 20. 8. 1802, ✝ Prag 6. 1. 1875; übernahm schon 1831 als »Kurprinz und Mitregent« die Regierung von seinem Vater Wilhelm II. (1821-47). Seine reaktionären Bemühungen, die aufgezwungene Verfassung von 1831 zu beseitigen, wurden unterstützt besonders durch seinen Minister L. Hassenpflug. Die Beschneidung der Rechte des Landtags (1850) machte er 1862 auf Druck des Deutschen Bundes rückgängig. Im Deutschen Krieg 1866 schloss er sich Österreich an, was nach der Annexion seines Landes durch Preußen zum Thronverlust führte.
 
 
P. Losch: Der letzte dt. Kurfürst. F. Wilhelm I. v. Hessen (1937).
 
 Köln:  
 26) Friedrich IV., Graf von Wied, Kurfürst und Erzbischof (1562-67), * um 1518, ✝ Köln 23. 12. 1568; vom Kapitel zum Erzbischof gewählt, wurde der einer protestantisch gewordenen Familie entstammende Friedrich vom Papst nicht bestätigt. Er dankte 1567 ab, u. a. wegen der päpstlichen Forderung nach Anerkennung der Konzilsbeschlüsse von Trient.
 
 Mainz:  
 27) Friedrich, Erzbischof (seit 937), ✝ Mainz 25. 10. 954; suchte zunächst im Kampf König Ottos I. mit seinen königlichen Verwandten und den Stammesgewalten zu vermitteln. 939 kam es bei Friedrichs Versuch, die exemte Abtei Fulda seinem Erzstift zu unterstellen, zu einem ersten Bruch mit Otto. Der Versöhnung 940 folgte nach dem Scheitern von Friedrichs diplomatischer Mission bei Papst Agapet II., der einer Kaiserkrönung Ottos nicht zustimmen wollte, 952 die erneute Trennung. Otto entzog Friedrich Erzkanzleramt und Erzkapellanat. Der kirchlichen Reformkreisen zugeneigte Friedrich zog sich nach vergeblichen Vermittlungsversuchen im Aufstand Liudolfs von allen politischen Tätigkeiten zurück. Kurz vor seinem Tod söhnte er sich nochmals mit Otto aus.
 
 28) Friedrich Kạrl Joseph, Freiherr von Ẹrthal, Erzbischof und Kurfürst (seit 1774), Bischof von Worms (seit 1774), * Mainz 3. 1. 1719, ✝ Aschaffenburg 25. 7. 1802. Dem Febronianismus zugetan und von aufklärerischem Geist durchdrungen, gehörte Friedrich zeitweise zu den Wortführern des gegen Rom gerichteten reichskirchlichen Episkopalismus (Emser Punktation), ohne ihn durchsetzen zu können. Auch politisch war er bei allem Engagement im Deutschen Fürstenbund (1785), in der Unterstützung des Bischofs von Lüttich 1792 oder im Kampf gegen das revolutionäre Frankreich ab 1792 ebenso erfolglos wie bei seinen reichspatriotischer Gesinnung entspringenden Bemühungen, sein Amt als Reichskanzler zu stärken. Mit dem Verlust von Mainz (1792 durch französische Truppen besetzt) verlegte er seine Residenz nach Aschaffenburg.
 
 
L. Vezin: Die Politik des Mainzer Kurfürsten F. Karl von Erthal. .. (1932).
 
 Meißen:  
 29) Friedrich I., der Freidige [freidig »kühn«, mutvoll], auch der Gebissene, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, * 1257, ✝ auf der Wartburg 16. 11. 1323, Sohn Albrechts des Entarteten, Vater von 30). Als Enkel Kaiser Friedrichs II. galt er der staufischen Partei nach Konradins Hinrichtung (1268) als Kronprätendent. Zusammen mit seinem Bruder Dietrich III. (Diezmann) kämpfte er ab 1288 um sein Erbe. Erst nach dem Sieg bei Lucka am 31. 5. 1307 erlangte er Meißen und Thüringen (Belehnung 1310 durch König Heinrich VII.).
 
 30) Friedrich II., der Ernsthafte, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen (seit 1324), * Gotha (30. 11.?) 1310, ✝ auf der Wartburg 18. 11. 1349, Sohn von 29), Vater von 31); bis 1329 unter Vormundschaft, baute mit Billigung seines Schwiegervaters, Kaiser Ludwigs IV., des Bayern, seine Herrschaft in Thüringen aus (u. a. Erwerb des Pleißenlandes, 1324; der Mark Landsberg, 1347). Die ihm 1347 angebotene Königswahl lehnte er ab und stimmte zugunsten Karls IV.
 
 31) Friedrich III., der Strenge, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, * Dresden 14. 10. 1332, ✝ Altenburg 25. 5. 1381, Sohn von 30), Vater von 49); regierte bis 1368 als Vormund seiner Brüder, 1368-71 gemeinsam mit ihnen, danach als alleiniger Herrscher. Friedrich vergrößerte den wettinischen Besitz um Coburg (1353) und Teile des Vogtlands (1354) sowie Weimar (1373).
 
 32) Friedrich Heinrich, Prinz von Orani|en, Graf von Nassau, Statthalter (seit 1625 von Holland, Seeland, Utrecht, Geldern und Overijssel, seit 1640 auch von Groningen und Drente), * Delft 29. 1. 1584, ✝ Den Haag 14. 3. 1647; jüngstes Kind von Wilhelm I. von Oranien und seiner vierten Frau, Louise de Coligny, Ȋ seit 1625 mit Amalie von Solms-Braunfels. Friedrich eroberte im Kampf gegen die Spanier Groenlo (bei Lichtervoorde), Herzogenbusch, Roermond, Maastricht, Breda u. a. Festungen und legte damit die militärische Grenzlinie zur Verteidigung der Republik fest. Neben seinen militärischen Erfolgen, die im Westfälischen Frieden (1648) behauptet wurden, verschafften seine glänzende Hofhaltung und seine Heiratspolitik dem Haus Oranien europäische Geltung. Seine Unterstützung konfessionell duldsamer und freisinniger Strömungen innerhalb der niederländischen reformierten Kirche trug dazu bei, dass die Niederlande zum tolerantesten Staat des Ancien Régime wurden.
 
 Nürnberg:  
 33) Friedrich III., Burggraf (seit 1273), * um 1225, ✝ Cadolzburg 14. 8. 1297, Vater von 34); konnte seinen ererbten Besitz durch Heirat (u. a. um Bayreuth) vermehren und legte damit den Grundstein für das spätere Doppelterritorium Ansbach-Bayreuth. Friedrich war einer der entscheidenden Wahlhelfer Rudolfs I. von Habsburg, der ihn dafür 1273 mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnte. Als maßgeblicher Berater Rudolfs hatte er auch Anteil an dessen militärischem Erfolgen.
 
 34) Friedrich IV., Burggraf (seit 1300), * 1287, ✝ 19. 5. 1332, Sohn von 33). Neben der Organisation des Feldzugs von König Albrecht I. gegen Meißen (1307) und der Begleitung Heinrichs VII. auf seinem Romzug tat Friedrich sich besonders bei den militärischen Unternehmungen Kaiser Ludwigs IV., des Bayern, hervor, der ihn wegen seines maßgeblichen Anteils am Sieg in der Schlacht von Mühldorf (28. 9. 1322 als »Retter des Reiches« bezeichnete. 1331 kaufte Friedrich Ansbach.
 
 Österreich:  
 35) Friedrich II., der Streitbare, Herzog von Österreich und Steiermark (seit 1230), Herr in Krain (seit 1232), * um 1210, ✝ 15. 6. 1246; verfolgte nach der Niederwerfung des Ministerialenaufstands der Kuenringer in Österreich eine Kaiser Friedrich II. zuwiderlaufende Politik mit dem Ziel, seine Länder aus dem Reichsverband zu lösen. 1236 ächtete ihn der Kaiser, konnte seine Macht aber nicht brechen. 1239 kam es zu einer Annäherung, als der Kaiser die Nichte des kinderlosen Herzogs heiraten und die babenbergischen Territorien zu einem Erbkönigreich Österreich erheben wollte. Doch das Heiratsprojekt zerschlug sich (1245), und der Herzog erreichte nur die Erneuerung des Privilegium minus von 1156. Nach einer Schlacht an der Leitha gegen König Béla IV. von Ungarn starb Friedrich, möglicherweise von seinen eigenen Leuten getötet. Mit ihm erloschen die Babenberger.
 
 
H. Koller: Das »Königreich« Österreich (Graz 1972).
 
 36) Friedrich IV. mit der leeren Tasche, Herzog von Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain, Graf von Tirol (seit 1406), * 1382 (nach anderen Angaben 1383), ✝ Innsbruck 24. 6. 1439; Sohn Herzog Leopolds III.; erhielt durch Ausgleich mit seinen Brüdern, Herzog Ernst dem Eisernen und Herzog Leopold IV., 1406 beziehungsweise 1411 Tirol und die vorderösterreichischen Lande, wo er sich gegen den aufstrebenden Adel und die Eidgenossen (Niederlage im Appenzeller Krieg, 1405) zu behaupten hatte. Als er im März 1415 Papst Johannes (XXIII.) zur Flucht vom Konstanzer Konzil verhalf, wurde er von König Siegmund geächtet und gefangen genommen; er entfloh 1416 nach Tirol (1418, endgültig 1425 Versöhnung mit Siegmund). Durch Handel und die Erträge des Tiroler Bergbaus wurde Friedrich zum wohlhabendsten Habsburger. Sein Beiname stammt aus späterer Zeit.
 
 Pfalz:  
 37) Friedrich I., der Siegreiche, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern und Kurfürst von der Pfalz (seit 1452), * Heidelberg 1. 8. 1425, ✝ ebenda 12. 12. 1476; Sohn Kurfürst Ludwigs III. von der Pfalz; übernahm 1449 als Vormund die Regentschaft für seinen erst einjährigen Neffen Philipp. Durch die Adoption des Neffen sicherte sich Friedrich unter Umgehung reichsrechtlicher Normen die Regentschaft in der Pfalzgrafschaft auf Lebenszeit. Friedrichs Stellung wurde trotz der ausdrücklichen Wahrung von Philipps Erbrecht und des Verzichts auf eine ebenbürtige Ehe vom Kaiser nicht anerkannt. Friedrich baute sein Territorium auf Kosten seiner Nachbarn, v. a. von Kurmainz, konsequent aus und begründete in zahlreichen Fehden (u. a. 1462 Schlacht bei Seckenheim, heute zu Mannheim) die Vormachtstellung der Pfalz am Oberrheinischen Im Innern reorganisierte er die Universität Heidelberg und sorgte für die Rezeption des römischen Rechts. Seine restriktive Finanzpolitik verhinderte das Entstehen von Landständen.
 
 
Quellen zur Gesch. F.s I., des Siegreichen, Kurfürsten v. der Pfalz, hg. v. K. Hofmann, 2 Bde. (Neuausg. 1969).
 
 38) Friedrich II., der Weise, Kurfürst (seit 1544), * Burg Winzingen (bei Neustadt an der Weinstraße) 9. 12. 1482, ✝ Alzey 26. 2. 1556; vierter Sohn Kurfürst Philipps des Aufrichtigen; trat 1544 in der Nachfolge seines Bruders Ludwig V. die Regierung an, führte zögernd die lutherische Reformation in der Pfalz ein und erließ 1546 eine evangelische Kirchenordnung. Ohne besonderes Engagement am Schmalkaldischen Krieg beteiligt, verfolgte er nach der Niederlage von 1547 einen politisch neutralen Kurs. Die Universität Heidelberg erlebte unter Friedrich ihre erste Blütezeit.
 
 39) Friedrich III., der Fromme, Kurfürst (seit 1559), * Simmern 14. 2. 1515, ✝ Heidelberg 26. 10. 1576; Sohn von Pfalzgraf Johann II. von Pfalz-Simmern; streng katholisch erzogen, trat zum Luthertum und 1561 zum Kalvinismus über, dem er durch den Heidelberger Katechismus (1561/62) und die Kirchenordnung von 1564 eine feste Grundlage in der Rheinpfalz schuf, während sich die protestantischen Stände der Oberpfalz erfolgreich widersetzten. Die Universität Heidelberg wurde unter Friedrichs Schirmherrschaft zur bedeutendsten Lehrstätte des Kalvinismus im Heiligen Römischen Reich.
 
 
W. Braselmann: F. der Fromme u. sein Heidelberger Katechismus (1963).
 
 40) Friedrich IV., der Aufrichtige, Kurfürst (seit 1583), * Amberg 5. 3. 1574, ✝ Heidelberg 19. 9. 1610. Unter dem maßgeblichen Einfluss bedeutender Ratgeber (u. a. L. Camerarius und Christian I. von Anhalt-Bernburg) und im Zuge der endgültigen Durchsetzung des Kalvinismus wurde die Pfalz in der Regierungszeit des sinnenfreudigen und zu Ausschweifungen neigenden Friedrich zum Zentrum der gegen die Habsburger gerichteten reichsfürstlichen Bestrebungen. Friedrich ließ den Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses errichten (1601-07) und gründete Stadt und Festung Mannheim (1606).
 
 
V. Press: Calvinismus u. Territorialstaat (1970).
 
 41) Friedrich V., Kurfürst (1610-23), als Friedrich I. König von Böhmen (1619/20), mit dem Spottnamen Winterkönig, * Amberg 26. 8. 1596, ✝ Mainz 29. 11. 1632; Schwiegersohn von König Jakob I. von England; war das Haupt der protestantischen Union. Friedrich wurde 1619 von den revoltierenden Ständen des Königreichs Böhmen zum Nachfolger des abgesetzten Königs Ferdinand II. gewählt. Bei allen seinen politischen Entscheidungen wurde er maßgeblich von seinen Ratgebern (u. a. L. Camerarius) beeinflusst. Nach der Niederlage am Weißen Berg (8. 11. 1620 floh der geächtete Friedrich in die Niederlande. Sein Erbland wurde verwüstet, seine Kurwürde Maximilian I. von Bayern übertragen. Sein Sohn Karl Ludwig erhielt 1648 die neu geschaffene achte Kurwürde und einen Teil des Besitzes zurück.
 
 
E. Weiss: Die Unterstützung F.s V. von der Pfalz durch Jakob I. u. Karl I. von England (1966).
 
 Preußen:  
 42) Friedrich I., König in Preußen (seit 1701), als Friedrich III. Kurfürst von Brandenburg (seit 1688), * Königsberg (Pr) 11. 7. 1657, ✝ Berlin 25. 2. 1713, Sohn von 12), Vater von 43); von seinem Vater zur Erziehung in die Obhut von E. von Danckelman gegeben. Nach seinem Regierungsantritt arbeitete Friedrich zielstrebig auf die Erlangung der Königswürde für das Herzogtum Preußen hin, das nicht zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Er ließ die Regierungsgeschäfte meist durch Premierminister (Danckelman, J. K. Kolbe von Wartenberg) ausführen. Die Außenpolitik wurde in Anlehnung an Kaiser Leopold I. geführt, dem Friedrich besonders im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-13/14) Waffenhilfe leistete. Dieser erklärte sich dafür (Krontraktat, 16. 11. 1700) mit Friedrichs Selbstkrönung zum »König in Preußen« (Königsberg 18. 1. 1701) einverstanden. Pläne innerer Reform scheiterten bei steigender Misswirtschaft. Friedrichs zweite Frau, Sophie Charlotte von Hannover, und Danckelman begünstigten Kunst und Wissenschaft: 1694 wurde die Universität Halle/Saale, 1696 die Akademie der Künste, 1701, auf Anregung von G. W. Leibniz, die Gesellschaft der Wissenschaften gegründet; A. Schlüter schuf den Hauptbau des Berliner Schlosses (ab 1698).
 
 
 
T. Schieder: Die preuß. Königskrönung v. 1701 u. die polit. Ideengesch., in: T. Schieder: Begegnungen mit der Gesch. (1962);
 H. Duchhardt: Die preuß. Königskrönung von 1701, in: Herrscherweihe u. Königskrönung im frühneuzeitl. Europa, hg. v. H. Duchhardt: (1983);
 L. Frey u. M. Frey: F. I. (a. d. Amerikan., 1984);
 P. Baumgart: Die preuß. Königskrönung v. 1701, das Reich u. die europäische Politik, in: Neuere Forschungen zur brandenburg-preuß. Gesch., Bd. 7, hg. v. O. Hauser (1987);
 I. Mittenzwei u. E. Herzfeld: Brandenburg-Preußen 1648-1789 (Berlin-Ost 21988);
 Werner Schmidt: F. I. (1996).
 
 43) Friedrich Wịlhelm I., König in Preußen (seit 1713), * Cölln (heute zu Berlin) 14. 8. 1688, ✝ Potsdam 31. 5. 1740, Sohn von 42) und Sophie Charlotte von Hannover, Vater von 44). Schon als Kronprinz nahm Friedrich Wilhelm Einfluss auf die Regierung, er bewirkte unter anderem die Entlassung des einflussreichen Ministers J. K. Kolbe von Wartenberg. Im Gegensatz zu seinem Vater lehnte er das sich in der Repräsentation erschöpfende Hofleben ab und stellte diesem die Arbeit des Königs im Kabinett gegenüber. Seine Auffassung von Arbeit und Pflichterfüllung wurden wesentlich durch den Pietismus (A. H. Francke) geprägt.
 
Seine Innenpolitik wurde durch die Einsicht bestimmt, dass Preußen sich angesichts seines geringen territorialen Bestands und seiner gefährdeten Lage gegen die Großmächte nur durch eine starke Armee behaupten könne. Seine Vorliebe für die Armee brachte ihm den Beinamen Soldatenkönig ein (u. a. Begründung des zweckorientierten preußischen Uniformstils, »Lange Kerls«). Neben dem Typ des preußischen Offiziers schuf er den des preußischen Beamten, des pflichtbewussten, unpolitischen Staatsdieners. »Preußens größter innerer König« (G. Schmoller) gestaltete die überkommenen Territorien zu einem fast modernen Einheitsstaat mit sparsamster und pflichttreuer Verwaltung, einer zentralen obersten Verwaltungsbehörde, dem Generaldirektorium (1723). Er beseitigte ständische Vorrechte (z. B. die Steuerfreiheit des Adels) und begann zugleich die Bauernbefreiung. Im Sinne kameralistischer Wirtschaftspolitik stellte er erstmals einen Jahreshaushalt auf, in dem er u. a. große Beträge für die innere Kolonisation einsetzte; die Wiederbesiedlung des durch die Pest verödeten Ostpreußen ist sein persönliches Werk. Die barocke Bautätigkeit gab er zugunsten von Zweckbauten auf. An den Universitäten Halle/Saale und Frankfurt/Oder errichtete er die ersten deutschen Lehrstühle für Kameralwissenschaften. Friedrich Wilhelm schuf mit seinen Maßnahmen die Voraussetzungen für den Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht. Im Frieden von Utrecht (1713) erlangte er Obergeldern. Im Frieden von Stockholm (1720), der den 2. Nordischen Krieg beendete, erhielt er das schwedische Vorpommern (einschließlich Stettin) südlich der Peene.
 
Ausgabe: Die Briefe Friedrich Wilhelms I. an den Fürsten Leopold zu Anhalt-Dessau, herausgegeben von O. Krauske (1905).
 
 
C. Hinrichs: F. Wilhelm I., Bd. 1: Jugend u. Aufstieg (1941);
 G. Oestreich: F. Wilhelm I. (1977);
 O. Busch: Militärsystem u. Sozialleben im alten Preußen 1713-1807 (Neuausg. 1981);
 I. Mittenzwei u. E. Herzfeld: Brandenburg-Preußen 1648-1789 (1988);
 W. Venohr: Der Soldatenkönig (Neuausg. 1990).
 
 44) Friedrich II., der Große, König in Preußen (seit 1740), seit 1772 König von Preußen, * Berlin 24. 1. 1712, ✝ Potsdam 17. 8. 1786, Sohn von 43). Intellektuell und musisch hoch begabt, dazu den Ideen der Aufklärung gegenüber aufgeschlossen, geriet Friedrich in Gegensatz zu seinem Vater, der ihn mit militärischer Strenge erziehen ließ. Der Konflikt gipfelte im August 1730 in einem rasch entdeckten Fluchtversuch Friedrichs nach England. Nach dessen Scheitern, der Hinrichtung seines an der Flucht beteiligten Freundes H. H. von Katte und der Festungshaft in Küstrin unterwarf sich Friedrich. Die erzwungene Verlobung mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern beendete die Festungshaft (Februar 1732).
 
1736-40 lebte Friedrich in Rheinsberg, dessen Schloss G. W. von Knobelsdorff nach Friedrichs Plänen umbaute. Seine hier im geselligen Freundeskreis reifende Erkenntnis seiner Pflichten als künftiger Herrscher ließen ihn die Leistungen des Vaters in der Staatsführung würdigen und leiteten die Aussöhnung mit diesem ein. Friedrichs Staatsauffassung, die er 1739 in der später von Voltaire als »Antimachiavel« betitelten Schrift darlegte, gilt als exemplarisch für den aufgeklärten Absolutismus: Die Stellung des Herrschers, den er als »durch den Zufall der Geburt« berufenen »ersten Diener seines Staates« sah, hielt er für unbeschränkt souverän, aber der Wohlfahrt des Volkes verpflichtet. In dieser Überzeugung zeigte sich auch seine völlige Lösung von den Traditionen des Gottesgnadentums. Nach seinem Regierungsantritt (31. 5. 1740 bot Friedrich neben Voltaire auch anderen bedeutenden Vertretern der französischen Aufklärung (P.-L. M. de Maupertuis, J. O. de Lamettrie) in der Preußischen Akademie der Wissenschaften eine Stätte zur Ausbreitung ihrer kritischen Ideen.
 
Nach dem Tod Kaiser Karls VI. stellte er entgegen seinen Vernunft- und Humanitätsideen das Machtinteresse in den Vordergrund seiner Überlegungen und fiel in Schlesien ein, das er in den beiden Schlesischen Kriegen (1740-42; 1744/45) für Preußen gewann und sicherte. Den sich anbahnenden britisch-französischen Gegensatz nutzte er zum Abschluss eines Bündnisses mit Großbritannien (1756), während Österreich sich Frankreich und (bereits 1740) Russland zuwandte. Beunruhigt durch österreichische Rüstungsanstrengungen und in der Überzeugung, dass der Dualismus mit Österreich früher oder später in einen bewaffneten Konflikt führen werde, begann Friedrich 1756 den Siebenjährigen Krieg, in dessen wechselvollem Auf und Ab er sich als hervorragender Feldherr erwies. Neben der geschickt geführten, auf über 180 000 Mann gebrachten Armee ermöglichte es ihm die allen Völker- und Privatrechtsnormen der Zeit widersprechende Ausbeutung des besetzten Sachsen, den Krieg durchzustehen. Die vernichtende Niederlage von Kunersdorf (12. 8. 1759 brachte Preußen an den Rand der Niederlage und stürzte Friedrich in eine schwere psychische und physische Krise. Der Friedensschluss mit Russland nach dem Tod der Kaiserin Elisabeth (1762) wendete die sicher scheinende Niederlage Preußens ab. Im Frieden von Hubertusburg mit Österreich (1763) wurde Friedrich der territoriale Vorkriegsstand zuerkannt; Preußen stand aber seither als Großmacht ebenbürtig neben Österreich. Abgerundet wurde der territoriale Ausbau Preußens durch den Erwerb von Ostfriesland (1744 durch Erbfall) und die Gewinnung Westpreußens (ohne Danzig und Thorn) und des Netzegebiets in der 1. Polnischen Teilung (1772). Seither nannte Friedrich sich »König von Preußen«. Innerlich einsam geworden, wurde der »große Friedrich« (seit dem Sieg bei Roßbach 1757) zur fast legendären Gestalt.
 
Neben der territorialen Ausdehnung widmete er sich dem inneren Ausbau Preußens. Die adelsfeindliche Innenpolitik seiner Vorgänger setzte Friedrich nicht fort. Er festigte die ständische Ordnung, indem er jedem Stand bestimmte Aufgaben zuwies. Der Adel stellte die Offiziere und höheren Beamten. Den Bürgern blieben Handel und Gewerbe überlassen. Die Regierung wurde von ihm persönlich und absolut mithilfe seiner Kabinettsräte geführt. Dabei baute er das Werk seines Vaters in zunehmender Zentralisierung durch Fachdepartements bürokratisch aus. V. a. nach 1763 suchte er rigoros durch Monopole, straffe Steuerpolitik und scharfen Merkantilismus die Volkswirtschaft und die Staatseinnahmen zu heben, förderte die bäuerliche und adlige Landwirtschaft durch Separationen, Gemeinheitsteilungen und Kreditkassen und siedelte mehr als 57 000 Familien an. Bedeutende Erfolge erzielte er bei der Entwicklung der 1772 erworbenen polnischen Gebiete, seinen Meliorationen und Kanalbauten. Bildungspolitische Maßnahmen (Landschulreglement 1763) verbesserten Lehrerbildung und Volksschulwesen, doch ließen Friedrichs Sparmaßnahmen das 1763-71 allgemein eingeführte, der Geistlichkeit unterstellte Schulwesen sich nicht voll entfalten. S. von Coccejis Prozessordnung (1747) reformierte das Prozesswesen, J. H. C. von Carmer und C. G. Svarez betraute er mit der Abfassung eines »Allgemeinen Landrechts für die Preußischen Staaten« (verabschiedet 1794). Zeit seines Lebens war Friedrich, ein bedeutender militärisch-politischer Schriftsteller, dem die deutsche Literatur fremd blieb, geistig allein Frankreich verbunden. Groß war Friedrichs Liebe zur Musik (J. S. und C. P. E. Bach, J. G. und K. H. Graun, N. Jommelli), die er als Flötenspieler und Komponist selbst ausübte (Lehrer: J. J. Quantz), und zur bildenden Kunst (Knobelsdorff).
 
Obwohl bis zuletzt zwischen humanitärem Idealismus und Staatsräson stehend, wurde der oft starre, gleichwohl volkstümliche »Alte Fritz« doch zunehmend von einem oft zynischen politischen Realismus und Skeptizismus beherrscht. Sie zeigten sich u. a. 1778/79 im Widerstand gegen Österreichs Vergrößerung (Bayerischer Erbfolgekrieg) und 1785 im Deutschen Fürstenbund, der den letzten Versuch einer deutschen Verfassungsreform vereitelte.
 
Friedrichs Gestalt ist je nach historischer Situation und politischem Standort ganz verschieden beurteilt und zu nationaler Heldenverehrung ebenso wie zu affektgeladener Anklage gegen Deutschland missbraucht worden. Oft wurde auf die Widersprüchlichkeit seines Charakters hingewiesen. Obwohl der König den Bestand seines Staates mehrfach aufs Spiel setzte, gab er in einer Zeit schwindender Traditionen eine neue Legitimitätsidee fürstlicher Leistung und wurde damit Leitbild seiner Standesgenossen.
 
 
Ausgabe: Die Werke Friedrichs des Großen, herausgegeben von G. B. Volz, 10 Bände (aus dem Französischen, 1912-14).
 
 
T. Carlyle: Gesch. F.s II. von Preußen, gen. F. d. Gr. (a. d. Engl., Neuausg. 1954);
 G. Ritter: F. d. Gr. (31954, Nachdr. 1978);
 
Preußens großer König. Leben u. Werk F.s d. Gr., hg. v. W. Treue (1986);
 
Analecta Fridericiana, hg. v. J. Kunisch (1987);
 P. Baumgart: Fridericiana. Neue Lit. aus Anlaß des zweihundertsten Todestages König F.s II. von Preußen, in: Histor. Ztschr., Bd. 245 (1987);
 
F. d. Gr. in seiner Zeit, hg. v. O. Hauser (1987);
 H. u. E. Henning: Bibliogr. F. d. Gr. (1988);
 I. Mittenzwei: F. II. von Preußen (Berlin-Ost 51990);
 C. Duffy: F. d. Gr. Ein Soldatenleben (a. d. Engl., Neuausg. 1994);
 T. Schieder: F. d. Gr. Ein Königtum der Widersprüche (Neuausg. 1996).
 
 45) Friedrich Wịlhelm II., König (seit 1786), * Berlin 25. 9. 1744, ✝ Potsdam 16. 11. 1797, Sohn von Prinz August Wilhelm, Neffe von 44), Vater von 46); wurde durch den Tod des Vaters 1758 Thronfolger. Von Friedrich II., dem Großen, gering geschätzt und kaum für seine Aufgaben vorbereitet, regierte Friedrich Wilhelm durch Premierminister (E. F. von Hertzberg, J. R. von Bischoffwerder). Seine Abneigung gegen die Französische Revolution von 1789 ließ ihn sich Österreich annähern (1790 Konvention von Reichenbach), doch brachen über die 2. und 3. Polnische Teilung (1793/95), die Preußen erhebliche Gebietsgewinne brachten, neue preußisch-österreichische Gegensätze auf, sodass er sich im Basler Frieden (1795) aus der Koalition zurückzog. Innenpolitisch lockerte er den Zentralismus und bereitete unter dem Einfluss der Minister J. C. Wöllner und Bischoffwerder, die wie er dem Orden der Rosenkreuzer angehörten, der friderizianisch-rationalistischen Aufklärung durch das Religions- und das Zensuredikt (1788) ein Ende. 1794 schloss er die von seinem Vorgänger begonnene einheitliche Rechtskodifikation mit dem »Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten« (ALR) ab. Friedrich Wilhelm förderte Kunst und Wissenschaft, doch konnte seine wenig disziplinierte Persönlichkeit dem Staatsleben keine nachhaltigen Impulse geben. Seine Günstlings- und Mätressenwirtschaft machte aus Preußen ein hoch verschuldetes Land.
 
 
W. M. von Bissing: F. Wilhelm der Zweite, König v. Preußen (1967).
 
 46) Friedrich Wịlhelm III., König (seit 1797), * Potsdam 3. 8. 1770, ✝ Berlin 7. 6. 1840, Sohn von 45), Vater von 47) und Kaiser Wilhelm I.; erwarb sich durch sein zu bürgerlicher Einfachheit neigendes Wesen und seine Liebesheirat mit Luise von Mecklenburg-Strelitz (1793) Volkstümlichkeit. Seine anfänglich beibehaltene Neutralitätspolitik im Sinne des Basler Friedens (5. 4. 1795 führte zwar zu einer gewissen außenpolitischen Isolierung und auch Abhängigkeit vom napoleonischen Frankreich, doch konnte Friedrich Wilhelm Preußen 1803 und 1805/06 erheblich vergrößern. Unter der drohenden Kriegsgefahr entschloss er sich 1806 zur Mobilmachung gegen Napoleon I., der die preußische Armee 1806 in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt vernichtend schlug. Der Frieden von Tilsit (7. 7. 1807 besiegelte Preußens Niederlage und den Verlust von mehr als der Hälfte seines Gebiets. Um durch Heranziehung neuer Kräfte den Reststaat Preußen wieder zu stärken, entließ Friedrich Wilhelm seine einflussreichen Berater J. W. Lombard sowie K. F. von Beymer und wandte sich K. A. von Hardenberg und K. Reichsfreiherr vom und zum Stein zu. Ihre Staatsreformen ermöglichte er ebenso wie die Heeresreform G. von Scharnhorsts, A. von Gneisenaus und H. von Boyens (Volksbewaffnung, allgemeine Wehrpflicht). Er schloss sich 1813 nur zögernd dem Kampf gegen Napoleon I. an (Befreiungskriege). Nach dem Wiederaufstieg Preußens zum Großstaat nach dem Wiener Kongress (1814-15) verzichtete er auf die Fortführung der »preußischen Reformen« (Entlassung W. von Humboldts und Boyens 1819) zugunsten einer Restauration der Bürokratie im Zeichen der Heiligen Allianz (Manifest vom 26. 9. 1815; Demagogenverfolgung). Die mehrfach versprochene »Nationalrepräsentation« (u. a. 22. 5. 1815) wurde nicht verwirklicht; es kam nur zur Bildung von Provinzialständen (1823). - Unter ihm begann der moderne Ausbau Berlins (K. F. Schinkel).
 
Ausgaben: Briefwechsel König Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise mit Kaiser Alexander I., herausgegeben von P. Bailleu (1900); Briefwechsel der Königin Luise mit ihrem Gemahl Friedrich Wilhelm III., herausgegeben von K. Griewank (1929).
 
 
T. Stamm-Kuhlmann: König in Preußens großer Zeit. F. Wilhelm III., der Melancholiker auf dem Thron (1992);
 
Uniformen der Armee F. Wilhelms III., Beitrr. v. K.-P. Merta u. J. Molitor (1993);
 D. von Gersdorff: Königin Luise u. F. Wilhelm III. (1996).
 
 47) Friedrich Wịlhelm IV., König (seit 1840), * Berlin 15. 10. 1795, ✝ Schloss Sanssouci 2. 1. 1861, Sohn von 46); war künstlerisch und wissenschaftlich hochbegabt, wurde von der deutschen Romantik geprägt (»Romantiker auf dem Thron«; D. F. Strauß). Friedrich Wilhelm ging von der Restaurationspolitik seines Vaters ab. Er beendete die »Kölner Wirren« (1836-41) und die Demagogenverfolgung. Er hing einem christlich-germanischen Staatsideal an (Preußen als seelisch-geistiger Mittelpunkt des erneuerten Heiligen Römischen Reiches, der preußische König dessen Feldherr neben einem Kaiser aus dem Haus Habsburg); seine Vorstellungen von Gottesgnadentum und Ständestaat verhinderten im Vormärz einen Übergang Preußens zum (Früh-)Konstitutionalismus. Durch die Berufung des Vereinigten Landtags 1847 suchte er einen ständischen Staatsaufbau zu verwirklichen, versagte sich aber einer Gesamtverfassung. In der Märzrevolution 1848 war er zunächst zum Nachgeben gezwungen (Umritt mit den deutschen Farben, am 29. 3. Berufung der liberalen Regierung unter L. von Camphausen; Zustimmung zur preußischen Nationalversammlung, 22. 5.-5. 12.). Die ihm von der Frankfurter Nationalversammlung angetragene deutsche Kaiserkrone lehnte er am 3. 4.1849 sowohl aus Prinzip als auch aus der Erkenntnis realpolitischer Unmöglichkeit ab. Sein Versuch einer Union der deutschen Fürsten unter Preußens Führung auf der Basis des Dreikönigsbündnisses scheiterte (Olmützer Punktation, 1850). Die oktroyierte Verfassung vom 5. 12. 1848 (zum 30. 1. 1850 in konservativem Sinn revidiert) wahrte dem von der »Kamarilla« (L. von Gerlach, O. von Manteuffel) beratenen Friedrich Wilhelm trotz liberaler Konzessionen erheblicher Machtpositionen. Eine schwere Erkrankung machte den König 1858 regierungsunfähig; seitdem vertrat ihn sein Bruder Wilhelm (I.) als Regent.
 
 
H.-J. Schoeps: Das andere Preußen (51981);
 F. L. Kroll: F. Wilhelm IV. u. das Staatsdenken der dt. Romantik (1990);
 D. Blasius: F. Wilhelm IV. 1795-1861. Psychopathologie u. Gesch. (1992);
 D. E. Barclay: Anarchie u. guter Wille. F. Wilhelm IV. u. die preuß. Monarchie (a. d. Amerikan., 1995).
 
 48) Friedrich III., König, Friedrich 5).
 
 Sachsen:  
 49) Friedrich I., der Streitbare, Kurfürst (seit 1423), Markgraf von Meißen (seit 1381/1407), * Altenburg (?) 11. 4. 1370, ✝ ebenda 4. 1. 1428, Sohn von 31), Vater von 50); regierte zunächst unter Vormundschaft über einen Teil des Erbes, erhielt erst 1410 im Naumburger Vertrag die Mark Meißen. Er unterstützte König Siegmund ab 1420 im Hussitenkrieg und erhielt dafür das nach dem Tod des Askaniers Albrecht III. (✝ 1422) erledigte und mit der Kurwürde sowie dem Erzmarschallamt verbundene Herzogtum Sachsen-Wittenberg übertragen (Lehnbrief vom 6. 1. 1423; förmliche Belehnung am 1. 8. 1425). Damit begründete Friedrich den Aufstieg des Hauses Wettin zu mächtigen Reichsfürsten.
 
 50) Friedrich II., der Sanftmütige, Kurfürst (seit 1428), * Leipzig 22. 8. 1412, ✝ ebenda 7. 9. 1464, Sohn von 49); verteidigte sein Land bis 1432 gegen die Hussiten, gewann die ihm von Heinrich von Plauen bestrittene Burggrafschaft Meißen 1439 endgültig. Nach dem Tod Kaiser Siegmunds (1437) unterstützte er dessen Nachfolger Albrecht II. und Friedrich III. Der Heimfall Thüringens (1440) löste nach dem ergebnislosen Teilungsversuch von Altenburg (1445) den »Sächsischen Bruderkrieg« zwischen Friedrich und Wilhelm III., dem Tapferen (* 1425, ✝ 1482), aus (1446-51; Nachspiel im »Sächsischen Prinzenraub« von 1455). Im Frieden von Naumburg (27. 1. 1451 erhielt Friedrich die Mark Meißen mit Zwickau, sein Bruder Thüringen mit Coburg zugesprochen. Friedrich setzte sich für die Verbesserung der Landesverwaltung sowie die Verständigung mit Böhmen (Vertrag von Eger, 1459) ein und hielt 1438 den ersten gemeinsamen Landtag in Leipzig ab.
 
 51) Friedrich III., der Weise, Kurfürst (seit 1486), * Torgau 17. 1. 1463, ✝ Schloss Lochau (bei Torgau) 5. 5. 1525; regierte mit seinem Bruder Johann dem Beständigen, bemühte sich, dem Reichsganzen verpflichtet, um die Reichsreform, lehnte aber die Kaiserkrone, die ihm nach Maximilians I. Tod (1519) angeboten wurde, ab. Friedrich, selbst vielseitig gebildet und interessiert, gründete die Universität Wittenberg (1502). Seine Kanzlei und Landesverwaltung zeigten neuzeitliche Züge. Seine Bemühungen um Erweiterung der wettinischen Macht blieben vergeblich. Er gewährte M. Luther in sehr zurückhaltender und äußerlich Neutralität wahrender Form Schutz (ab 1517). Friedrich erwirkte 1521 für ihn freies Geleit nach Worms und verbarg ihn danach, ungeachtet der Gefahren für sein Land, auf der Wartburg (1521-22). Seine Politik ermöglichte erst eigentlich die Ausbreitung der Reformation.
 
 
P. Kirn: F. der Weise u. die Kirche (1926, Neudr. 1972).
 
 52) Friedrich August I., der Starke, Kurfürst, August (Herrscher, Polen-Sachsen).
 
 53) Friedrich August II., Kurfürst, August (Herrscher, Polen-Sachsen).
 
 54) Friedrich August I., der Gerechte, König (seit 1806), als Friedrich August III. Kurfürst (1763-1806), * Dresden 23. 12. 1750, ✝ ebenda 31. 5. 1827; führte aufgrund von Erbansprüchen seiner Mutter 1778/79 im Bund mit Friedrich dem Großen den Bayerischen Erbfolgekrieg gegen Österreich. Im Krieg von 1806 kämpfte er ebenfalls auf preußischer Seite; nach dem Frieden zu Posen (11. 12. 1806 nahm Friedrich August den Königstitel an und trat dem Rheinbund bei. Durch den Tilsiter Frieden (1807) erhielt er das Herzogtum Warschau, ohne jemals dort die Regierungsgewalt auszuüben. In Leipzig geriet er nach der Völkerschlacht in Gefangenschaft. Nachdem er in die vom Wiener Kongress beschlossene Abtretung des größeren Teils Sachsens an Preußen eingewilligt hatte, kehrte er am 7. 7. 1815 nach Dresden zurück.
 
 55) Friedrich August II., König (seit 1836), * Dresden 12. (?) 5. 1797, ✝ (verunglückt) Brennbichl (bei Imst, Tirol) 9. 8. 1854; war 1830-36 Mitregent seines Onkels König Anton; regierte in gemäßigt liberalem Sinn; stellte nach der Niederschlagung des Dresdner Maiaufstands mithilfe preußischer Truppen (1849) die Verfassung von 1831 wieder her.
 
 56) Friedrich August III., König (1904-18), * Dresden 25. 5. 1865, ✝ Sibyllenort (Kreis Oels; heute Szczodre, Woiwodschaft Breslau) 18. 2. 1932; regierte streng konstitutionell; sein persönliches Schicksal (u. a. 1903 Trennung seiner Ehe) erhöhte seine durch zahlreiche Anekdoten gespeiste Volkstümlichkeit; dankte am 13. 11. 1918 ab.
 
 
W. Fellmann: Sachsens letzter König F. August III. (1992).
 
 Schlesien:  
 57) Friedrich II., Herzog von Liegnitz (seit 1488), * Liegnitz 12. 2. 1480, ✝ ebenda 17. 9. 1547; stand bis 1499 unter mütterlicher Regentschaft; herrschte 1499-1521 gemeinsam mit seinem Bruder Georg (* um 1483, ✝ 1521), seit 1521 allein über Liegnitz und Brieg. Friedrich erweiterte sein Territorium um Wohlau, Glogau (pfandweise bis 1544), Münsterberg und Frankenstein. Die Reformation begünstigte er durch die Gründung der evangelischen Universität in Liegnitz (1526; 1530 geschlossen), nachdem der religiöse Schwärmer K. von Schwenckfeld das Land für seine Lehre gewonnen hatte. Friedrich vermittelte zwischen seinen Schwägern, dem Hochmeister Albrecht dem Älteren von Preußen und König Sigismund I. von Polen, den Krakauer Frieden (8. 4. 1525 zur Umwandlung Preußens in ein erbliches Herzogtum unter polnischer Lehnsoberhoheit. Aus der Erbverbrüderung mit Kurfürst Joachim II. von Brandenburg 1537 (Doppelheirat ihrer Kinder 1545) leitete Preußen später den Anspruch auf Schlesien ab.
 
 Schleswig-Holstein-Gottorf:  
 58) Friedrich III., Herzog (seit 1616), * Schloss Gottorf 22. 12. 1597, ✝ Tönning 10. 8. 1659; Vater von Herzog Christian Albrecht; förderte als absolutistischer Herrscher Kunst und Wissenschaft und suchte die Wirtschaftskraft seines Landes zu stärken (1621 Gründung von Friedrichstadt). Mit den Schweden gegen Dänemark verbündet, erreichte er im Frieden von Roskilde (1658) die Souveränität der herzoglichen Gebiete in Schleswig.
 
 59) Friedrich IV., Herzog (seit 1694), * Schloss Gottorf 18. 10. 1671, ✝ (gefallen) Kliszów (Woiwodschaft Kielce) 19. 7. 1702, Sohn von Herzog Christian Albrecht, Großvater von Kaiser (Zar) Peter III. von Russland; machte Schloss Gottorf zur kulturell bedeutenden Barockresidenz und zu einem Mittelpunkt des Musiklebens. Friedrich fiel im 2. Nordischen Krieg als General seines Schwagers und Verbündeten, König Karls XII. von Schweden.
 
 Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg:  
 60) Friedrich, Herzog, * Schloss Augustenburg (auf Alsen) 6. 7. 1829, ✝ Wiesbaden 14. 1. 1890, Sohn von Herzog Christian August; erhob nach dem Tod von König Friedrich VII. von Dänemark als Oberhaupt der Augustenburger Linie 1863 Erbansprüche auf Schleswig und Holstein und proklamierte sich als Friedrich VIII. zum Herzog. Die Herzogtümer erkannten ihn an, er wurde aber von O. von Bismarck 1864/66 überspielt.
 
 Schwaben:  
 61) Friedrich I., Herzog (seit 1079), * um 1050, ✝ 1105, Vater von 62), Sohn Graf Friedrichs von Büren, Schwiegersohn Kaiser Heinrichs IV.; wurde als dessen treuer Gefolgsmann 1079 mit Schwaben belehnt und konnte sich im Kampf gegen die mächtigen süddeutschen Adelsfamilien der Zähringer, Rheinfeldener und Welfen behaupten. Friedrich versuchte, durch zahlreiche Klostergründungen (u. a. Lorch im Remstal) Zentren herrschaftlicher Macht für seine Familie zu bilden, und schuf so die Grundlage für den späteren Aufstieg der Staufer.
 
 62) Friedrich II., der Einäugige, Herzog (seit 1105), * 1090, ✝ 6. 4. 1147, Sohn von 61), Vater von 1); versuchte nach dem Tode Heinrichs V. 1125 das Königtum für sich zu erlangen, unterlag jedoch bei der Wahl und später militärisch Lothar III. (von Supplinburg). Dennoch blieben das salische Hausgut und auch Teile des Königsgutes in den Händen der Staufer, für die diese Steigerung ihrer Macht Voraussetzung für den Erwerb des Königtums (1138) durch Friedrichs jüngeren Bruder Konrad III. wurde.
 
 63) Friedrich III., Herzog, Römischer König und Kaiser, Friedrich 1).
 
 Schweden:  
 64) Friedrich I., schwedisch Frẹdrik I., König von Schweden (seit 1720), Landgraf von Hessen-Kassel (seit 1730), * Kassel 28. 4. 1676, ✝ Stockholm 5. 4. 1751, Sohn des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel; kämpfte im Spanischen Erbfolgekrieg an der Spitze eines hessischen Hilfskorps aufseiten Großbritanniens und der Generalstaaten; heiratete 1715 in 2. Ehe Ulrike Eleonore, die Schwester König Karls XII., die nach dessen Tod (1718) Königin von Schweden wurde. 1716 erhielt Friedrich den Rang eines Generalissimus der schwedischen Armee. Nach dem Thronverzicht seiner Gemahlin (1720) wählte ihn der Reichstag unter großer Einschränkung der monarch. Rechte zum König. Als Konsequenz der verfehlten Außenpolitik seines Vorgängers endete unter Friedrichs Herrschaft Schwedens Großmachtstellung (beträchtliche Gebietsabtretungen an Hannover, Preußen und Russland). Seit 1730 auch Landgraf von Hessen-Kassel, überließ Friedrich die Regierung dort seinem Bruder, dem späteren Landgrafen Wilhelm VIII. (* 1682, ✝ 1760).
 
 Sizilien:  
 65) Friedrich II., König (seit 1296), * 1272, ✝ Paterno (Sizilien) 25. 6. 1337, Sohn Peters III. von Aragonien, mütterlicherseits Enkel des Stauferkönigs Manfred; wurde vom sizilianischen Adel zum König erhoben, um die Rückkehr der Anjou auf den Thron Siziliens zu verhindern. Um an die ghibellinische Tradition von Kaiser Friedrich I. und Kaiser Friedrich II. anzuknüpfen, nannte er sich selbst Friedrich III., obwohl er - nach Kaiser Friedrich II. - erst der zweite sizilianische König dieses Namens war. Friedrich begründete die Sekundogenitur des Hauses Aragonien.
 
 66) Friedrich I., Herzog (seit 1593), * Schloss Horburg (bei Colmar) 19. 8. 1557, ✝ Stuttgart 29. 1. 1608. Der erste Herzog aus der Mömpelgarder Linie bemühte sich um den inneren Ausbau seines Landes, das er nach kameralistischen Prinzipien als absolutistischer Herrscher führte. Bei loyaler Haltung gegenüber dem Kaiser wahrte er energisch die eigenen Rechte. Er konnte sein Herrschaftsgebiet durch Länderkauf vergrößern und die österreichische Afterlehnschaft abschütteln. Seine Versuche, die Macht der Stände einzuschränken, scheiterten.
 
 67) Friedrich I., Kurfürst (1803-06), König (seit 1806), als Friedrich II. Herzog (1797-1803), * Treptow am Rega 6. 11. 1754, ✝ Stuttgart 30. 10. 1816; am Hof des preußischen Königs Friedrich II., der Große, erzogen; war in preußischem und russischem Militärdienst, später auch, als Onkel von Kaiser Alexander I. von Russland, im dortigen Verwaltungsdienst. Als Landesherr wandte er sich unter dem Druck der französischen Siege 1802 Frankreich zu. Im Reichsdeputationshauptschluss (1803), im Frieden von Preßburg (1805) und durch den Beitritt zum Rheinbund (1806) konnte Friedrich sein Territorium nahezu verdoppeln. Er proklamierte am 30. 12. 1805 das Königreich Württemberg und nahm am 1. 1. 1806 den Königstitel an. Die altständische Verfassung hob er auf und regierte als Herrscher eines bürokratisch-absolutistischen Einheitsstaates nach französischem Vorbild. Sein Austritt aus dem Rheinbund (1813) und seine Beteiligung am Feldzug (1814) gegen Napoleon I. sicherten den Bestand seines Königreichs. Friedrichs Souveränitätspolitik auf dem Wiener Kongress (1814/15) trug mit zum Scheitern einer bundesstaatlichen deutschen Verfassung bei; nur widerstrebend trat er 1815 in den Deutschen Bund ein. Die landständische Verfassung, die er dem eigenen Land zu geben suchte, wurde von den »Altrechtlern« zu Fall gebracht.
 
 
P. Sauer: Der schwäb. Zar. F. - Württembergs erster König (21986).
II
Friedrich,
 
1) ['friːdrɪk], Carl Joachim, amerikanischer Politikwissenschaftler deutscher Herkunft, * Leipzig 5. 6. 1901, ✝ Lexington (Massachusetts) 22. 9. 1984; seit 1922 in den USA; lehrte 1927-71 an der Harvard University, 1956-66 auch an der Universität Heidelberg; befasste sich mit den Grundlagen und der Entwicklung des heutigen Verfassungsstaates.
 
Werke: Die Philosophie des Rechts in historischer Perspektive (1955); Totalitarian dictatorship and autocracy (1956, mit Z. K. Brzezinski; deutsch Totalitäre Diktatur); Man and his government (1963); An introduction to political theory (1967); Trends of federalism in theory and practice (1968); The pathology of politics (1972; deutsch Pathologie der Politik); Tradition and authority (1972; deutsch Tradition und Autorität); Limited government (1974).
 
 2) Caspar David, Maler und Zeichner, * Greifswald 5. 9. 1774, ✝ Dresden 7. 5. 1840; studierte 1794-98 an der Akademie in Kopenhagen u. a. bei N. Abildgaard und J. Juel. Im Herbst des Jahres 1798 ging er nach Dresden, wo er bis zu seinem Tod ansässig blieb. Von großer Bedeutung für sein Schaffen waren Reisen nach Rügen, Nordböhmen, Wanderungen durch das Riesengebirge und durch den Harz. 1801 machte er die Bekanntschaft von P. O. Runge. Von Goethe gefördert, fand Friedrich 1805 erste breitere Anerkennung. 1808 erregte er Aufsehen mit dem für eine Privatkapelle bestimmten Landschaftsbild »Das Kreuz im Gebirge« (»Tetschener Altar«, heute Dresden, Staatliche Kunstsammlungen), das als Altarbild als revolutionär empfunden wurde. 1810 wurde Friedrich Mitglied der Berliner, 1816 der Dresdner Akademie, doch blieb seine Hoffnung auf ein Lehramt unerfüllt. Er war u. a. mit den Malern G. F. Kersting und J. C. C. Dahl befreundet, ab 1817 auch mit C. G. Carus. Zu seinen Bewunderern zählte ab 1820 der spätere russische Kaiser Nikolaus I., dessen gelegentliche Ankäufe den Künstler vor bitterster Not bewahrten, auch nachdem sein Ruhm zu verblassen begann und ein Schlaganfall 1835 seine Arbeitsfähigkeit herabgesetzt hatte. - Friedrich widmete sich zunächst der Zeichenkunst und der Sepiamalerei, bevor er sich 1807 auch der Ölmalerei zuwandte. Er war weder von der Italiensehnsucht seiner Zeitgenossen erfasst noch von dem idealisierenden Klassizismus und der schwärmerischen Altertümelei, die das Schaffen der Nazarener bestimmten. Seiner Auffassung nach sollte die Kunst als »Mittlerin zwischen die Natur und den Menschen« treten und ein gesteigertes, aus sorgfältiger Beobachtung erwachsendes Gefühl für die vielfältigen Stimmungen der Natur die Schemata der idealen Landschaftsform ablösen. Die neuen Inhalte romantischen Erlebens in Friedrichs Werk sind Spiegelungen subjektiver Empfindungen und einer individuellen Gefühlswelt, deren Vorstellungen im Wesentlichen um Werden und Vergehen kreisen.
 
Werke: Der Mönch am Meer (1809; Berlin, Schloss Charlottenburg); Abtei im Eichwald (1809; ebenda); Gebirgslandschaft mit Regenbogen (1809-10; Essen, Museum Folkwang); Morgen im Riesengebirge (1810; Berlin, Schloss Charlottenburg); Der Wanderer über dem Nebelmeer (um 1815; Hamburg, Kunsthalle); Kreidefelsen auf Rügen (um 1818; Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart); Auf dem Segler (um 1818/19; Sankt Petersburg, Eremitage); Zwei Männer in Betrachtung des Mondes (um 1819/20; Dresden, Staatliche Kunstsammlungen); Mondaufgang am Meer (1822; Berlin, Nationalgalerie); Der einsame Baum (1822; ebenda); Das Eismeer, auch Die gescheiterte Hoffnung (um 1823/24; Hamburg, Kunsthalle); Utkiek (Ausblick), bis 1976 unter dem Titel Die Lebensstufen (um 1834; Leipzig, Museum der bildenden Künste).
 
 
C. D. F., hg. v. W. Hofmann, Ausst.-Kat. (1974);
 L. Siegel: C. D. F. and the age of German Romanticism (Boston, Mass., 1978);
 A. Dobrzecki: Die Bedeutung des Traumes für C. D. F. (1982);
 G. Unverfehrt: C. D. F. (1984);
 
C. D. F. - unbekannte Dokumente seines Lebens, hg. v. K.-L. Hoch (Dresden 1985);
 T. Grütter: Melancholie u. Abgrund. Die Bedeutung des Gesteins bei C. D. F. (1986);
 H. Börsch-Supan: C. D. F. (41987, Nachdr. 1990);
 J. C. Jensen: C. D. F. Leben u. Werk (91991);
 W. Schmied: C. D. F. (Neuausg. 1992);
 
C. D. F., bearb. v. W. Geismeier (Neuausg. 1994);
 
C. D. F. in der Sächs. Schweiz. Skizzen, Motive, Bilder, bearb. v. K.-L. Hoch (1996).
 
 3) Götz, Opernregisseur, * Naumburg (Saale) 4. 8. 1930, ✝ Berlin 12. 12. 2000; kam 1953 als Dramaturg und Regieassistent (seit 1959 Regisseur, 1968-72 Oberspielleiter) an die Komische Oper in Berlin (Ost), wo er neben J. Herz der wichtigste Schüler W. Felsensteins wurde, dessen Regieprinzipien eines realistischen Musiktheaters er übernahm. 1973 wurde er Oberspielleiter der Hamburg. Staatsoper, 1976 zugleich leitender Regisseur der Covent Garden Opera in London. Seit 1981 war G. Friedrich Generalintendant der Deutschen Oper Berlin, daneben leitete er 1984-93 das Berliner Theater des Westens; auch Gastregisseur, u. a. in Bayreuth (»Tannhäuser«, 1972; »Parsifal«, 1982).
 
 
P. Barz: G. F. Abenteuer Musiktheater (1978);
 
Opern-Zeiten. Entwürfe, Erfahrungen, Begegnungen mit G. F., hg. v. F. W. Christians (1995).
 
 4) Heinz, Verleger und Schriftsteller, * Roßdorf (bei Darmstadt) 14. 2. 1922; seit 1961-90 Geschäftsführer des Deutschen Taschenbuch Verlages; zeitkritische Schriften: »Kulturkatastrophe« (1979), »Die Zukunft der Kultur« (1982), »Aufräumarbeiten« (1987).
 
 5) Johannes, Altorientalist, * Leipzig 27. 8. 1893, ✝ Berlin (West) 12. 8. 1972; Professor in Leipzig und Berlin. Er hatte wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Hethitologie sowie aller Disziplinen der altkleinasiatischen Philologie, sowohl als Lexikograph als auch durch deskriptive Grammatiken und Texteditionen. Weitere Forschungsgebiete waren nordwestsemitische Epigraphik und Schriftgeschichte.
 
Werke: Staatsverträge des Hatti-Reiches in hethitischer Sprache, 2 Bände (1926-30); Einführung in das Urartäische (1933); Hethitisches Elementarbuch, 2 Bände (1940-46); Phönizisch-punische Grammatik (1951); Hethitisches Wörterbuch, 3 Bände (1952-61); Geschichte der Schrift (1966).
 
Herausgeber: Kleinasiatische Sprachdenkmäler (1932); Die hethitischen Gesetze (1959).
 
 6) Walther, Physiker, * Salbke (heute zu Magdeburg) 25. 12. 1883, ✝ Berlin (Ost) 16. 10. 1968; 1921-29 Professor in Freiburg im Breisgau, danach an der Humboldt-Universität in Berlin. Friedrich entdeckte 1912 gemeinsam mit P. Knipping - einer Anregung von M. von Laue folgend - die Röntgenstrahlinterferenzen an Kristallen. Er führte seitdem vorwiegend Arbeiten zur Natur der Röntgenstrahlen, ihrer Dosimetrie und biologische Wirksamkeit durch.
 
 
E. Schierhorn: W. F. (Leipzig 1983).

Universal-Lexikon. 2012.

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